von Björn Maiworm, Michael Schelp

Die ABC-Gruppe Lendringsen der Feuerwehr Menden (Sauerland) ist eine Untergruppierung des Löschzuges Süd und 18 Mann stark.  Am Standort Lendringsen sind drei Löschgruppen stationiert. Zur Verfügung stehen ein LF 16/12 mit Hilfeleistungsatz, ein TLF 16/25, ein LF 8/6, ein ELW 1 sowie durch  die ABC-Gruppe  ein VW T3 MTW (ehemals Spürwagen Bund) und ein Dekon-LkW-P. Des weiteren ist die Verpflegungsgruppe der FW Menden am Standort mit aktiv (Küche plus Feldkochherd).  Der Dekontaminations-LKW-Personen wurde – Ironie der Geschichte – am 11. September 2001, dem Tag der Anschläge auf das World Trade Center, ausgeliefert.

 

Hier ein Bericht aus Sicht der Ausbilder des Lehrganges „ABC-Dekontamination“:

Nach der Umstellung  der FwDV 2 und auf die FwDV 500 in NRW Ende 2004 hatten wir endlich eine Ausbildungsvorschrift auch für den Dekon-Bereich zur Hand.

Die FwDV 500 besagt im Punkt 1.4 „Aus- und Fortbildung“: Für Einsätze in Verbindung mit ABC-Gefahrstoffen sind dafür ausgebildete Einsatzkräfte erforderlich.“ So weit - so gut. Doch was macht man, wenn man einen Dekon-LKW-P sein eigen im Standort nennt? Der ABC-Einsatz-Lehrgang ersetzt ab nächstem Jahr die GSG 1 und Strahlenschutz 1 Lehrgänge. Für die ABC-Erkunder gibt es Administratoren-Seminare am IdF in Münster. Doch für die Gruppen, die die Dekontamination übernehmen sollen, wird nichts derartiges angeboten.

Also liegt es an einem selbst die Mannschaft nun mit der Technik in Verbindung mit der neuen Feuerwehrdienstvorschrift vertraut zu machen.

Daher entschlossen wir uns Anfang des Jahres einen Lehrgang „ABC-Dekontamination“ nach FwDV 2 auf Stadt- bzw. Standortebene durch zu führen. Denn endlich gibt es ja eine Dienstvorschrift 500, an der man sich orientieren kann. Stattgefunden hat dieser NRW-weit wohl erstmalige Lehrgang in der Zeit vom 17. bis 21. Juli 2004.

Angesetzt nach FwDV 2 sind 35 Unterrichtsstunden. Wir kürzten auf 21 Stunden ein, da bei der Fahrzeug- und Gerätekunde auf ein gutes Wissen der beteiligten Kameraden zurück gegriffen werden konnte. Denn immerhin war Auslieferungsdatum bereits der 11. September 2001 – Ironie des Schicksals. Pro Jahr gibt es zudem sechs zusätzliche separate Dienstabende, bei denen die Kameradinnen und Kameraden des Löschzuges Süd der Feuerwehr Menden sich ausschließlich mit dem Dekon-LKW-P und dem Thema „ABC“ beschäftigen.

Ein solch neuer Lehrgang ist auch für die Ausbilder eine Herausforderung: Wer unterrichtet? Und vor allem was?

Erforderliche Vorbildung zur Teilnahme ist die abgeschlossene Truppmannausbildung und die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger. Also durfte man trotz der Vorkenntnisse einiger Lehrgangsteilnehmer (GSG 1 / Str1) von keinen detaillierten Vorkenntnissen ausgehen.

Zunächst steht das Thema Einsatzlehre auf dem Plan (siehe FwDV 2, „ABC-Dekontamination P/G“). Dieses Thema übernahm Björn Maiworm, da er als Fachberater in der Technischen Einsatzleitung sich ehedem mit dem Thema auseinander setzen muss. Hier war die FwDV 500 die Grundlage aller Überlegungen: Was ist überhaupt die FwDV 500? Was sind Gefahrengruppen? Wie ist die Einteilung der Mannschaft, insbesondere der Dekon-Staffel? Wie ist der Einsatzablauf? – Dies waren die Leitfragen und somit die Leitthemen.

Eins war außerdem vorab fest gestellt worden: Nur mit der Dekon-Staffel ist der Aufbau der gesamten Anlage und der Betrieb nur schwer möglich. Daher wird von uns zur Ergänzung grundsätzlich ein Tanklöschfahrzeug TLF 16/25 (auch am Standort) mit eingesetzt. Im Lehrgang  wurden daher für den Einsatz grundsätzliche Regeln der Zusammenarbeit der Einheiten festgelegt. So übernimmt den Aufbau des Dusch- und des Aufenthaltszeltes die TLF-Staffel. Die Staffelführer arbeiten hier eng zusammen, wobei aber der Staffel-Führer des Dekon-LKW-P die Abschnittsleitung „Dekontamination“ übernimmt. Der Staffel-Führer TLF 16/25 soll sich primär um die Dokumentation der Dekontamination kümmern.

Doch zurück zur FwDV 2: Das Thema „Dekontamination“ übernahm aufgrund der langjährigen Erfahrung und Vorbildung an der ehemaligen Kat-Schutz-Schule in Wesel der Gruppenführer der ABC-Gruppe, HBM Michael Schelp. Ebenso das Unterthema „Chemische Dekontamination“ lehrte er. Für viele war die Einteilung der Gefahrstoffe in Maßnahmengruppen letztlich eine Verständnishilfe. Jedoch für die mit GSG 1 vorgebildeten Kameradinnen und Kameraden erst Anlass zur Verwirrung. Auch die Dekon-Matrix aus der FwDV 500 bot eine gelungene Übersicht der Einsatzarten und Vorgehensweisen.

Die Entscheidung wer den atomaren Bereich unterrichtet war ebenso klar. Denn als Physiker mit Fachkundenachweis Strahlenschutz lag es nahe, dass Björn Maiworm auch diesen Part unterrichtete. Dreifache Nullrate, Messgeräteeinsatz und Abstandsgesetz sind in so kurzer Zeit nicht leicht zu vermitteln, wenn nicht die Vorkenntnis durch Sonderdienste gewesen wäre.

Blieb beim Themenbereich Dekontamination noch der bisher völlig unbekannte Teil der Bio-Gefahren und der Desinfektion. Was lag näher als einen Desinfektor der Feuer- und Rettungswache Menden, der auch als freiwilliger Feuerwehrmann (SB) seinen Dienst im LZ versieht, mit ins Boot zu holen? Die Lehrgangsteilnehmer lernten somit von OBM Willi Schieferdecker neues zum Thema Risikogruppen, Viren, Bakterien und Wirkungsgruppen von Desinfektionsmitteln. Praktisch wurde die Handdesinfektion und das Anziehen und vor allem Ausziehen von Einmalschutzoveralls geübt. Als Standarddesinfektionsmittel wurde die Peressigsäure und deren Vorteile angesprochen.

Blieb noch als letztes großes Gebiet nach FwDV 2 die Fahrzeug- und Gerätekunde. HBM Jörg Oelert, im Hauptberuf Gas-, Wasserinstallateur und Heizungsbaumeister, war für den Bereich der ideale Mann. Denn der Wasserdurchlauferhitzer des Dekon-LKW-P ist im Prinzip eine Ölheizung, wie sie viele von zu Hause kennen. Schon die Heizung beeindruckt mit 100kW – das entspricht der Heizleistung von circa 10 Einfamilienhäusern. Doch nicht nur in der Theorie wurde die Bedienung und auch die Fehlersuche geübt. Ein Schwerpunkt lag im praktischen Finden und Ausmerzen von Fehlerquellen. Im Grunde eine Einführung  in die Heizungsreparatur. Auch den prinzipiellen Aufbau des Dekon-Platzes im Hinblick auf die verschiedenen Betriebsmöglichkeiten (Betrieb mit und ohne Zeltheizung, Wasserversorgung durch Tanklöschfahrzeug oder autark) erklärte er.

Soweit zu den ersten beiden Lehrgangstagen.

Am letzten Lehrgangstag begannen wir mit der schriftlichen Erfolgskontrolle. 17 Teilnehmer – 17 mal bestanden. Dann ging es ans praktische Arbeiten. Vorkenntnisse waren ja vorhanden. Doch zeigte sich schnell, dass der Lehrgang sich gelohnt hatte. Defizite bei Kleinigkeiten kosteten viel Zeit beim Aufbau der Anlage. Die Vorgabe der FwDV 500 lautet, nach 15 Minuten eine Dekontamination bereit zu stellen. Bei der praktischen Prüfung im Rahmen einer Einsatzübung am Ende des Lehrganges stand die Warmwasserversorgung und die Ein-Mann-Personen-Dusche nach 11 Minuten; die gesamte Anlage inklusive Luftheizung und beider Zelte in 17 Minuten. Diese Zeiten waren jedoch unserer Ansicht nach nur zu schaffen, weil die Geräte auf einem Alu-Rahmen-Container-System verlastet sind. Eine 10.000 Euro Investition in den Ausbau durch den Märkischen Kreis, die sich gelohnt hat!

Zu dekontaminieren gab es bei der Übung einen Trupp unter CSA, der mit Essig-Essenz kontaminiert war. Ein Lebensmittel, dessen stechender Geruch das Lernziel veranschaulichte. Zum Nachweis diente C-Spürpulver: Und siehe da. Das Pulver verfärbte sich von gelb nach blutrot. Im Gegensatz zu pH-Papier ist Spürpulver kontaktfrei und schneller anzuwenden.

Simuliert wurde auch die Kontamination von Zivilpersonen - selbstverständlich ohne die Anwendung von Essig-Essenz. Ein Freiwilliger aus dem Kreis der Teilnehmer ging dann zur Dekontamination ins Zelt duschen.

Als Beobachter war neben StBI Winfried Schulte, stellv. Leiter der Feuerwehr Menden, auch Dominik Heithorst vom DRK OV Menden zugegen. Denn bei einer größeren Anzahl von kontaminierten Personen (=Zivilisten) soll das DRK zur Betreuung und Ausstattung mit Kleidung unterstützend tätig werden. Der Lehrgang bedeutet nun allerdings keinen Abschluss sondern viel mehr die Weiterführung der Ausbildung der Mannschaft am Gerät. Wie nach jedem Lehrgang wird das weitere beständige Üben nicht vergessen. Denn nur so kann das Erlernte zur Routine und eine Einsatzbereitschaft gewährleistet werden.

 

Bilder:

        

Bei Desinfektor Willi Schieferdecker lernten die Lendringser Feuerwehrleute neben den theoretischen Hintergründen (Eigenschaften von Erregern, Desinfektionsmittel, FwDV 500 Teil B-Gefahren, Schutzkleidung) auch das praktische Arbeiten mit Infektionsschutzanzügen und Desinfektionsmitteln (Handdesinfektion).

  

Hauptbrandmeister Jörg Oelert, von Beruf Gas und Wasserinstallateurmeister sowie Heizungsbaumeister, unterichtete die Fahrzeug und Gerätekunde. Hauptaugenmerk lag hier bei dem Betrieb und der Fehlersuche des ölbetriebenen Wasserdurchlauferhitzers.

Alle anderen Bildern entstanden am dritten Lehrgangstag:  Zunächst Stück für Stück, dann im ganzen einsatzmäßig wurde die komplette Dekontaminations-Anlage des Dekon-LKW-P aufgebaut. Man beachte die Verlastung der Ausstattung auf Rollcontainer aus Aluminium (professioneller Ausbau auf Kosten des Märkischen Kreises).

              

Nach der Dekontamination:  Entkleidung und Simulation einer Konatmination im Anzuginneren. Anschließendes Duschen im Duschzelt.

  

Überblick über den Übungshof der Feuerwehr Menden, Standort Lendringsen, beim Lehrgang.

                     

Nach und nach wurde die Anlage aufgebaut, so dass jeder Lehrgangsteilnehmer sich einen Überblick verschaffen konnte.

Bild 090/099: Zur Übung rüstete sich der Trupp, der die Dekon übernehmen sollte, mit Atemschutzmaske, ABEK2-Hg-P3 Filter und normaler FW-Schutzkleidung aus. Auf den Einsatz von Overgarnment/Einmalschutzanzügen wurde aufgrund der warmen Witterung und des häufigen Übens im Schutzanzug verzichtet. Das Tragen der Schutzkleidung ist kein großes Hemmnis (abgesehen von Form 3 Anzügen/CSA), das Tragen einer Maske mit Filter kann schon stärker die Sicht einschränken!

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